Der grundsätzliche Unterschied zwischen Brutto- und Netto-Lohn stellt für die wenigsten ein Geheimnis dar. Für alle, die diesen Unterschied für ihren eigenen Lohn in Zahlen ausgedrückt sehen möchten, empfehlen wir unseren Brutto-Netto-Rechner. In diesem Beitrag wollen wir weniger auf die Steuern oder Sozialbeiträge eingehen, welche unsere Bruttolöhne mindern, sondern viel mehr auf theoretische Grundlagen, wie sich die Wissenschaft, im Besonderen die Makroökonomie, die Höhe unsere Entlohnung erklärt und wer die Steuern in Wahrheit zu tragen hat.

Errechnung des Nominallohn: Eine kleine Formel entschiedet über unser Auskommen?

In ihrer einfachsten Form gibt es im Arbeitsmarktmodell eine kleine Formel für die Höhe der Nominallöhne. Diese beachtet grundsätzlich nicht die Steuern, denn diese können hier vereinfacht als Aufschlag gesehen werden, der nach der Festsetzung des Nominallohns addiert wird. Wir werden uns aber noch mit dem Effekt der Steuern in einem Abschnitt weiter unten beschäftigen. Die Formel lautet:

W = P^e F (u,z)

Bei einer Formel müssen natürlich zuerst die einzelnen Variablen erklärt werden:

• W → Nominallohn
• P^e → erwartetes Preisniveau
• F → Funktion von
• u → Arbeitslosenquote
• z → sonstige Faktoren

Der Nominallohn W ist also umso höher, je höher das erwartete Preisniveau ist, umso geringer, je höher die Arbeitslosenqutote sich darstellt und natürlich gibt es noch zusätzlich beeinflussende Faktoren. Wir wollen hier nicht näher vertiefen, warum das aktuelle Preisniveau im Prinzip dem erwarteten Preisniveau entspricht, aber der Grund für die Einbeziehung dieser Variable sollte schnell klar werden. Es ist für jeden Arbeitnehmer praktisch unbedeutend wie viel Gehalt er oder sie bekommt, wenn kein Bezug zu den Preisen auf dem Markt besteht. Wenn die monatliche Miete 8.000 € beträgt und ein Laib Brot nur für € 100,- zu haben ist, dann wird sich auch eine Supermarkt-Angestellte oder ein Straßenarbeiter nicht freuen, wenn sie oder er 10.000 € pro Monat bekommen. Das Preisniveau beeinflusst also die Löhne und das sehen wir jährlich an den Inflationsanpassungen. Die Unternehmen können auch nur so viele Löhne zahlen, wie angesichts der Preise ihrer Produkte vernünftig ist. Dieser Faktor gilt demnach für Arbeitnehmer und Arbeitgeber gleichermaßen.

Preis nach Angebot und Nachfrage auch bei Arbeitskräften

Der Zusammenhang mit der Arbeitslosenquote verschleiert seine Bedeutung ebenfalls kaum. Wenn viel Angebot an Arbeitskräften besteht und von den Firmen wenig Nachfrage (hohe Arbeitslosenquote), dann drückt dies den Marktpreis für Arbeitskräfte und demnach den Lohn. Der Sammelfaktor z beinhaltet verschiedene Faktoren. Wir nehmen einen potentiellen Faktor heraus, der in Österreich immer wieder zur Diskussion steht: das Grundeinkommen. Wenn solche Zuwendungen an Arbeitslose sehr hoch sind, dann erhöht dies den Reservationslohn, sprich das Gehalt, welches auch ohne Arbeit bezogen wird. Im Gegenzug müssen die Gehälter und Löhne der arbeitenden Bevölkerung steigen, damit überhaupt noch ein Anreiz besteht, um Arbeiten zu gehen. Dieser Umstand bremst wiederum Unternehmen, die es sich zwei mal überlegen, ob sie tatsächlich noch einen teuren Mitarbeiter brauchen. So sozial die Idee des Grundeinkommens ist, so einfach kann diese eben auch nach hinten los gehen.

Vielleicht helfen diese Informationen um bei den nächsten Lohnverhandlungen etwas die Nase vorne zu haben und nicht nur auf die Differenz zwischen Brutto und Netto zu pochen.

Quelle: Blanchard Illing 2006, Makroökonomie, 4. erweiterte Auflage

Wer muss Steuern zahlen?

Oben wurde kurz angekündigt, dass wir noch kurz das Thema Steuern in diese Überlegung mit aufnehmen. Grundsätzlich ist dieser Bereich für die oben beschriebene Art der makroökonomischen Lohnbestimmung von beiläufiger Bedeutung. Der Bereich des öffentlichen Sektors beschäftigt sich aber ausführlicher damit und vor allem mit der Frage wer die Steuer eigentlich zu tragen hat. Denn natürlich müssen diese Zusatzkosten einfach aufgeschlagen werden, aber auf welcher Seite geschieht dies eigentlich?

Anhand der Sozialbeiträgen könnte jemand sagen, dass dies gesetzlich sehr klar geregelt ist, da die Arbeitnehmer rund 18 % übernehmen und den Rest bezahlt der Arbeitgeber. Die Theorie hat zu diesem Thema leider nicht so eine klare Antwort. Denn entsprechend den Elastizitäten kann es sein, dass entweder der Dienstnehmer die ganze Last trägt oder der Dienstgeber – ganz unabhängig davon, wer wie viel an den Staat abliefert. Ein kurzes Beispiel zur Bedeutung von Elastizitäten wird diesen Umstand verdeutlichen.

Wenn wir von absoluter Inelastizität auf der Angebotsseite, also bei den Arbeitnehmer ausgehen, dann muss diese Seite die komplette Last der Steuern tragen. Inelastizität heißt nämlich, dass die Arbeitnehmer nicht auf Lohnänderungen reagieren oder reagieren können. Dieser Fall lässt sich leicht vorstellen, wenn man an einen Familienvater denkt, der unbedingt auf ein monatliches Gehalt angewiesen ist und sich demnach mehr im Betrieb gefallen lässt, als dies eigentlich klug wäre. In diesem Fall kann der Arbeitgeber die Entlohnung so anpassen, dass er zwar immer noch seinen Teil an das Finanzamt abliefert, aber diesen Betrag schon lange durch geringere Lohnzahlungen vom Dienstnehmer eingeholt hat. Dieser kann sich nicht dagegen wehren und trägt somit die komplette Steuerlast, auch wenn Politiker dies anders vorgesehen haben.

Hier darf sich jeder die Frage stellen, wie sehr hohe Arbeitslosigkeit dazu beiträgt, dass er auf zwei Arten weniger Lohn bekommt. Zum einen mindert die Arbeitslosigkeit die Grundberechnung und zum anderen trägt er vielleicht mehr der Steuerlast, als dies zulässig wäre. Der eigene Lohn könnte als noch mehr als nur um die Brutto-Netto-Differenz verringert sein.

Quelle: Gayer Rosen 2010, Public Finance, Ninth Edition