Bei Beendigung eines Dienstverhältnisses haben Sie Anspruch auf ein Dienstzeugnis. Ihr Arbeitgeber muss dieses Dokument laut § 39 Abs. 1 Angestelltengesetz im Zuge der Kündigung ausstellen. Während die Relevanz in den letzten Jahren in Österreich leicht gesunken ist, gibt es nach wie vor viele Fragezeichen, was die Formulierungen im Dienstzeugnis eigentlich bedeuten. Denn negative Formulierungen sind darin verboten – was zu diversen Geheimcodes geführt hat.

Dienstzeugnis - Geheimcodes

Wie relevant ist das Dienstzeugnis?

Für zukünftige Arbeitgeber ist es wichtig, zu erfahren, wie ein potenzieller Arbeitnehmer sich in vorherigen Dienstverhältnissen verhalten hat. Gerade bei Führungspositionen haben Dienstzeugnisse somit durchaus hohe Bedeutung.

Bei modernen Arbeitgebern wird allerdings zunehmend weniger Wert auf diesen verklausulierten Endbericht gelegt. Der Grund liegt darin, dass ehemalige Arbeitgeber ihren Ex-Mitarbeitern selten einen Stein in den Weg legen wollen. Zudem kann kaum nachgeprüft werden, ob das Dienstzeugnis nicht sogar durch den Arbeitnehmer (im Einverständnis mit dem Arbeitgeber) selbst verfasst wurde.

Aus Sicht eines Arbeitgebers wäre es wesentlich wichtiger, glaubwürdige Referenzen (z.B. durch Anrufe von Personen die ein Bewerber genannt hat) einzuholen. International ist diese Vorgehensweise durchaus gängig.

Wichtig für Sie: Trotz der sinkenden Relevanz, sollten Sie immer auf der Ausstellung eines Dienstzeugnisses bestehen.

Wer auf das Dokument Anspruch hat

Wird ein Dienstverhältnis beendet, hat ein Arbeitnehmer in jedem Fall Anspruch auf ein Dienstzeugnis. Dieses muss allerdings ausdrücklich verlangt werden. Der Arbeitgeber ist dann verpflichtet, mindestens ein einfaches „Arbeitszeugnis“ auszustellen. Auch Zwischenzeugnisse können vom Arbeitnehmer eingefordert werden. Freie Dienstnehmer haben keinen Anspruch.

Inhalte und Aufbau eines Dienstzeugnisses

Das Gesetz (§ 39 Abs. 1 Angestelltengesetz) sieht vor, dass im qualifizierten Dienstzeugnis folgende Angaben vorhanden sind:

ElementInhalt
ÜberschriftZeigt, worauf sich das Zeugnis bezieht (in diesem Fall das Dienst- oder Zwischenzeugnis)
EingangssatzWesentliche Daten über den Arbeitnehmer (Name, Geburtsdatum, Positionsbezeichnung, der Beginn und das Ende des Arbeitsverhältnisses)
Positions- und AufgabenbeschreibungHierarchiestufe, Aufgaben des Arbeitnehmers, Verantwortung –
bei kleineren Unternehmen kann hier auch eine Beschreibung der Organisation beigefügt sein (Branche, Größe, Auslandsniederlassungen)
Beurteilung der Leistung bzw. des ErfolgsArbeitsmotivation, Arbeitsfähigkeit, Arbeitsergebnisse
zusammenfassende Beurteilung (allgemeine Zufriedenheit mit dem Arbeitnehmer)
Beurteilung des SozialverhaltensUmgang mit Kollegen, Mitarbeitern und Vorgesetzten, Umgang mit Kunden und Gästen
SchlusssatzZeigt, wie sehr die Organisation den Austritt des Mitarbeiters bedauert und von wem genau das Arbeitsverhältnis beendet wurde

Die Tätigkeiten müssen aufgelistet und so beschrieben werden, dass der Leser sich ein klares Bild vom Arbeitsbereich des Dienstnehmers machen kann. Die Formulierung und der Aufbau sind, soweit diese sich im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben befinden, Sache des Arbeitgebers.

Verboten sind sowohl alle Inhalte, die den Dienstnehmer bei der weiteren Arbeitssuche behindern könnten. Auch die Erwähnung von Funktionen als Interessensvertreter im Rahmen einer Gewerkschaft oder eines Betriebsrats ist nicht gestattet. Außerdem darf die Ursache der Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht erwähnt werden.

Informationen über das Gehalt sind in einem Dienstzeugnis selbstverständlich nicht enthalten.

Codes im Dienstzeugnis

Obwohl die Formulierung von Dienstzeugnissen positiv sein muss, bedeutet das nicht, dass die Bedeutung ausnahmslos positiv ist. Wenn Ihnen Ihr Dienstzeugnis seltsam vorkommt, können Sie es zum Beispiel von der Arbeiterkammer überprüfen lassen.

Die bekanntesten Formulierungen der „Dienstzeugnis-Geheimsprache“:

GeheimcodeÜbersetzung
Superlative (z. B. zur vollsten Zufriedenheit)positives Zeugnis
Der Mitarbeiter hat sich stets bemüht.Der Mitarbeiter hat sich zwar bemüht, herausgekommen ist dabei allerdings nichts.
Beim Projekt Y hat sich der Mitarbeiter mit ganzer Kraft eingesetzt.Der Mitarbeiter hat sich nur bei diesem Projekt bemüht, sonst nirgends.
Der Mitarbeiter hat sich im Rahmen seiner Fähigkeiten eingesetzt.Die Kompetenzen des Mitarbeiters waren eingeschränkt.
Der Mitarbeiter hat sich stets als integrative, kommunikationsstarke Persönlichkeit ins Team eingebracht.Vor lauter Plaudern hatte der Mitarbeiter keine Zeit zum Arbeiten.
Der Mitarbeiter trug durch seine Geselligkeit zum guten Betriebsklima bei.Der Mitarbeiter tratscht viel und ständig.
Der Mitarbeiter hat die ihm übertragenen Arbeiten ordnungsgemäß erledigt.Der Mitarbeiter zeigte wenig Eigeninitiative.
Der Mitarbeiter war ein sehr anspruchsvoller und kritischer Mitarbeiter.Der Mitarbeiter war schwierig und hat seine Vorgesetzten kritisiert.
Der Mitarbeiter verfügte über Fachwissen und zeigte großes Selbstvertrauen.Der Mitarbeiter hat sich laufend eingemischt.
Der Mitarbeiter konnte nach vorgegebenen Richtlinien selbstständig arbeiten.Der Mitarbeiter konnte nur nach genauen Anweisungen arbeiten, ansonsten war er unselbstständig.
Der Mitarbeiter war stets mit Interesse und Begeisterung bei der Sache.Der Mitarbeiter war euphorisch, aber mehr passierte nicht.
Der Mitarbeiter setzte sich insbesondere für die Belange der Belegschaft ein.Der Mitarbeiter lässt sich nicht alles gefallen.

Wichtige Details zu Geheimcodes:

  • Werden bestimmte Bereiche ausgelassen, z. B. das Verhältnis zum Arbeitgeber, kann der Leser davon ausgehen, dass damit etwas nicht stimmte.
  • Um eine negative Bewertung zu kennzeichnen, können positive Nebensächlichkeiten von der Reihenfolge her nach vorne gerückt werden. Die wichtigen Themen werden nur kurz erwähnt.
  • Werden positive Erwähnungen zeitlich oder auf ein bestimmtes Projekt beschränkt, bedeutet dies, dass der Arbeitgeber eben nur hier zufrieden war.
  • Wird das Dienstzeugnis deutlich knapp gehalten, drückt dies die mangelnde Wertschätzung des Arbeitgebers gegenüber dem Arbeitnehmer aus.

Dienstzeugnis-Vorlagen

Es gibt im Web zahlreiche Vorlagen für Dienstzeugnisse. Hier sind drei kostenlose Dokumente von österreichischen Websites zum Download:

Unzufrieden mit dem Status Quo?

Wenn Sie mit Ihrem Dienstzeugnis nicht zufrieden sind bzw. die inhaltlichen oder formalen Vorschriften nicht erfüllt sind, dürfen Sie von Ihrem (ehemaligen) Arbeitgeber ein korrekt ausgestelltes und qualifiziertes Dienstzeugnis verlangen. Dieses Recht haben Sie durch manche Kollektivverträge sogar bis zu 30 Jahre rückwirkend.

Sie können Ihrem (ehemaligen) Arbeitgeber einen Entwurf Ihres gewünschten Dienstzeugnisses vorlegen, allerdings ist dieser nicht gezwungen, sich daran zu halten.

Quellen und weitere Informationen