Das Dienstzeugnis ist eine Urkunde, die bei Beendigung des Dienstverhältnisses vom Arbeitgeber ausgestellt wird. Somit ist sie das einzige externe Dokument in den Bewerbungsunterlagen eines potenziellen Arbeitnehmers, der die anderen Angaben selbst angeben bzw. auch weglassen kann.

Dienstzeugnis

Relevanz

Für Arbeitgeber ist es sehr wichtig, zu erfahren, wie der potenzielle Arbeitnehmer sich in vorherigen Dienstverhältnissen verhalten hat. So geben 70 Prozent der Unternehmen an, bei leitenden Angestellten großen Wert auf die Dienstzeugnisse zu legen. Bei gewöhnlichen Angestellten sind 55 Prozent der Meinung, dass Dienstzeugnisse sehr wichtig sind und bei Arbeitern sind 15 Prozent der Unternehmen interessiert an deren Dienstzeugnissen.

Anspruch

Wird ein Dienstverhältnis beendet, hat der (ehemalige) Arbeitnehmer in jedem Fall Anspruch auf ein Dienstzeugnis, das ihm der Arbeitgeber ausstellt. Das Dienstzeugnis muss allerdings ausdrücklich verlangt werden. Auch Zwischenzeugnisse können vom Arbeitnehmer eingefordert werden.

Freie Dienstnehmer haben keinen Anspruch auf ein Dienstzeugnisses.

Inhalte

Das Gesetz sieht vor, dass im Dienstzeugnis die folgenden Angaben vorhanden sind:

ElementInhalt
Überschriftzeigt, worauf sich dieses  Zeugnis bezieht (in diesem Fall das Dienst- oder Zwischenzeugnis)
Eingangssatzwichtigste Daten zum Arbeitnehmer (Name, Geburtsdatum, Positionsbezeichnung, der Beginn und das Ende des Arbeitsverhältnisses)
Positions- und Aufgabenbeschreibungzeigt Hierarchiestufe, welche Aufgaben der Arbeitnehmer innehatte, wie weit seine Verantwortung reicht
bei kleineren Unternehmen kann hier auch eine Beschreibung der Organisation anfügen (Branche, Größe, Auslandsniederlassungen)
Beurteilung der Leistung bzw. des ErfolgsArbeitsmotivation, Arbeitsfähigkeit, Arbeitsergebnisse
zusammenfassende Beurteilung (allgemeine Zufriedenheit mit dem Arbeitnehmer)
Beurteilung des SozialverhaltensUmgang mit Kollengen, Mitarbeitern und Vorgesetzten
Umgang mit Kunden und Gästen
Schlusssatzzeigt, wie sehr die Organisation den Austritt des Mitarbeiters bedauert, von wem genau das Arbeitsverhältnis beendet wurde und ob man dem Arbeitnehmer wirklich alles Gute für seine Zukunft wünscht
Dienstzeugnis

Quelle: Bigstockphoto.com

Die Tätigkeiten müssen aufgelistet und so beschrieben werden, dass der Leser sich ein klares Bild vom Arbeitsbereich des Dienstnehmers machen kann. Die Formulierung und der Aufbau sind, soweit diese sich im Rahmen der gesetzlichen Vorgaben befinden, die Sache des Arbeitgebers.

Die Zeit, die Unternehmen für die Erstellung eines Dienstzeugnisses aufwenden, variiert ca. zwischen 40 und 90 Minuten. Hierbei werden die 90 Minuten eher für leitende Angestellte aufgewandt und die 40 Minuten für Arbeiter, da es vorformulierte Textbausteine gibt.

Verboten sind sowohl alle Inhalte, die den Dienstnehmer bei der weiteren Arbeitssuche behindern könnten als auch die Erwähnung von Funktionen als Interessensvertreter im Rahmen einer Gewerkschaft oder eines Betriebsrats. Außerdem dürfen Ursache und Art der Beendigung des Arbeitsverhältnisses nicht erwähnt werden.

Geheimcodes

Obwohl die Formulierung von Dienstzeugnissen positiv sein muss, bedeutet das nicht, dass die Bedeutung ebenfalls positiv ist. Wenn Ihnen Ihr Dienstzeugnis seltsam vorkommt, können Sie es z. B. von der Arbeiterkammer überprüfen lassen.

Hier zeigen wir Ihnen einige der bekanntesten geheimen Formulierungen:

GeheimcodeÜbersetzung
Superlative (z. B. zur vollsten Zufriedenheit)positives Zeugnis
XX hat sich stets bemüht.XX hat sich zwar bemüht, herausgekommen ist dabei allerdings nichts.
Beim Projekt Y hat sich XX mit ganzer Kraft eingesetzt.XX hat sich nur bei diesem Projekt bemüht, sonst bei nichts.
XX hat sich im Rahmen ihrer Fähigkeiten eingesetzt.In diesem Rahmen war nur Platz für wenige Fähigkeiten.
XX hat sich stets als integrative, kommunikationsstarke Persönlichkeit ins Team eingebracht.Vor lauter Plaudern hatte XX keine Zeit zum Arbeiten.
XX trug durch seine Geselligkeit zum guten Betriebsklima bei.XX quatscht viel und ständig.
XX hat die ihm übertragenen Arbeiten ordnungsgemäß erledigt.XX zeigte wenig Eigeninitiative.
XX war ein sehr anspruchsvoller und kritischer Mitarbeiter.XX war ein schwieriger Mitarbeiter, der auch seine Vorgesetzten kritisiert hat.
XX verfügte über Fachwissen und zeigte großes Selbstvertrauen.Große Klappe, wenig dahinter.
XX konnte nach vorgegebenen Richtlinien selbstständig arbeiten.XX konntenur mit genauen Richtlinien arbeiten, ansonsten war er absolut nicht selbstständig.
XX war stets mit Interesse und Begeisterung bei der Sache.XX war euphorisch, aber mehr passierte nicht.
XX setzte sich insbesondere für die Belange der Belegschaft ein.XX lässt sich nicht alles gefallen.

Werden bestimmte Bereiche ausgelassen, z. B. das Verhältnis zum Arbeitgeber, kann der Leser davon ausgehen, dass etwas nicht stimmt. Um eine negative Bewertung zu kennzeichnen, können positiv zu bewertende Nebensächlichkeiten von der Reihenfolge her in den Vordergrund gerückt werden. Die wichtigen Themen werden nur kurz erwähnt. Werden positive Dinge zeitlich oder auf ein bestimmtes Projekt beschränkt, bedeutet dies, dass der Arbeitgeber eben nur hier zufrieden war. Wird das Dienstzeugnis deutlich knapp gehalten, drückt dies die mangelnde Wertschätzung des Arbeitgebers gegenüber dem Arbeitnehmer aus.

Unzufrieden?

Wenn Sie mit Ihrem Dienstzeugnis nicht zufrieden sind bzw. die inhaltlichen oder formalen Vorschriften nicht erfüllt sind, dürfen Sie von Ihrem (ehemaligen) Arbeitgeber ein korrekt ausgestelltes und quaifiziertes Dienstzeugnis verlangen. Dieses Recht haben Sie durch manche Kollektivverträge sogar bis zu 30 Jahre rückwirkend.

Sie können Ihrem (ehemaligen) Arbeitgeber einen Entwurf Ihres gewünschten Dienstzeugnisses vorlegen, allerdings ist dieser nicht gezwungen, sich daran zu halten.

Quellen

https://www.arbeiterkammer.at/beratung/arbeitundrecht/beendigung/Dienstzeugnis.html

https://www.wko.at/service/arbeitsrecht-sozialrecht/Dienstzeugnis.html

http://www.laendlejob.at/der-geheimcode-der-arbeitszeugnisse/a.html