Österreich ist ein Hochsteuerlands – Kennen Sie Ihre Abgabequote?

Die Zeitungen der letzten Jahre waren regelmäßig mit Berichten zur hohen Abgabenquote in Österreich gefüllt. Laut dem Standard aus dem Jahr 2013 befinden wir uns bezüglich der Gesamtbelastung an siebter Stelle innerhalb der EU. Die Aufstellung der Statistik Austria platziert Österreich für das Jahr 2015 sogar auf dem sechsten Rang. Nur die Besteuerung betreffend belegte Österreich im Jahr 2013 sogar den negativen dritten Platz. Die Abgaben setzen sich aus Steuern und Sozialversicherungsbeiträgen zusammen. Deshalb wollen wir uns die Modelle in verschiedenen europäischen Staaten ansehen und diese am Ende mit ihren Gesamt-Quoten vergleichen. Muss es sein, dass wir vom sechsten oder siebten Platz auf den dritten springen, nur weil wir die Zahlung an unser Gesundheitssystem ausklammern?

Sozialversicherungsabgaben in Österreich und in einigen EU-Ländern

In Österreich stellt die Sozialversicherung ab einem Monatseinkommen von 405,98 (Stand 2015) eine Pflichtversicherung dar. Sofern die Arbeit unselbstständig ausgeführt wird, übernimmt der Dienstgeber einen Teil der Abgaben, aber der Dienstnehmer muss ebenso einen Anteil seines Bruttolohnes abführen – dies erledigt auch der Arbeitgeber. Die Abgabenquote für die Dienstnehmer schwankt leicht nach der Art der Beschäftigung. So müssen Landarbeiter beispielsweise geringfügig weniger abgeben als Bergarbeiter. Für Arbeiter gilt jedoch in der Regel eine Quote von 18,20 % und für Angestellte 18,07 %. Die Obergrenze für die Bemessungsgrundlage wird von einem monatlichen Einkommen von € 4.650,- gebildet. Für Mitarbeiter, die nicht im privaten Sektor tätig sind oder Landwirte gelten ebenfalls geringfügig andere Quoten die unter diesem Link einsehbar sind.

In Deutschland muss der Arbeitnehmer in der Regel sogar leicht mehr von seinem Lohn abgeben. Beim großen Nachbarn sind es für Normalverdiener derzeit sogar 19,325 % (Stand 2015). Die Begründung hierfür ist die 50 50 Aufteilung zwischen Arbeitnehmer und Arbeitgeber. Denn die Gesamtquote ist in Österreich leicht höher, aber wird zu einem leicht größeren Teil vom Arbeitgeber getragen. In Deutschland werden ebenfalls einige Beitragsgrundlagen großzügiger bemessen. So beträgt die Höchstbemessungsgrundlage für die Rentenversicherung normalerweise bis zu € 72.600,-.

In Frankreich gibt es für Bestandteile der Sozialversicherung nicht einmal Obergrenzen für die Bemessungsgrundlage. Dafür gibt es für Einkommen, welche eine monatliche Bruttosumme von € 3.170,- übersteigen, merklich höhere Prozentsätze. Die Franzosen nehmen es mit der Solidarität bzw. Einkommensumverteilung ganz genau. Für alle mit einem Einkommen unter dieser Grenze gilt eine Abgabenquote von 19,00 %. Kurios ist auch die Ausnahme von leitenden Angestellten, die vom Posten Zusatzrenten ausgenommen sind.

Wenn wir auf die Insel England schauen, dann lässt sich eine doch wesentlich geringere Rate entdecken. Derzeit muss ein normaler Dienstnehmer dort nur 12 % seines Einkommens abführen und der Dienstgeber 13,8 Prozentpunkte. Die Bemessungsgrundlagen basieren dort übrigens auf wöchentlichen Einnahmen. In England sind die Sozialversicherungsabgaben aber deutlich geringer und das für beide Seiten.

Ganz interessant wird es bei einem Blick in den Osten. In Polen übernimmt der Versicherte tatsächlich 22,71 % der Abgaben an die Sozialversicherung. Warum dies sehr bemerkenswert ist, werden wir im nächsten Abschnitt klären.

Vergleich Sozialversicherungsabgabe und gesamte Abgabenquote

Die Zahlungen an die Sozialversicherungen sind unbestreitbar ein großer Anteil an der Last, die auf unseren Einkommen liegt. Die Statistik Austria hat für das Jahr 2015 eine Abgabenquote in Österreich von 44 % berechnet. Mit circa 18 % hat die Sozialversicherung fast einen Anteil von der Hälfte. Den Rest machen Steuern aus. Nur wie sieht es in den anderen Ländern aus. Kann durch hohe Sozialversicherung auf hohe Abgabe geschlossen werden? Wie korrelieren die Sozialversicherungsquoten mit der Abgabenquote?

In England konnten wir besonders geringe Zahlungen an den National Health Service ausmachen und tatsächlich ist die gesamte Abgabenquote mit 35 Prozent eher gering. Auf der anderen Seite kann Polen eine noch geringere Abgaben-Prozentzahl mit 33,1 Prozent aufweisen. Zwei Drittel der Abgaben entfallen dort also auf das Gesundheitssystem. Frankreich hat die zweitgrößte Abgabenquote mit 47,5 % und dort zahlen die Dienstnehmer nicht merklich mehr an die Krankenversicherung, Rentenversicherung und ähnliche Dienste. In Deutschland wird weniger als in Österreich an den Staat und die Gesundheit abgeliefert, obwohl dort leicht mehr von den Arbeitern und Angestellten bezüglich Wohlbefinden eingezahlt werden muss.

Es ist also kaum eine direkte Verbindung zwischen Abgabenquoten der Länder und den Anteilen, die von den Dienstnehmern in die Gesundheitsversorgung eingezahlt werden müssen, auszumachen. Wer sich in Österreich mit seinem Brutto-Netto-Verhältnis nicht ganz zufrieden zeigt, sollte seinen Blick eher auf die Steuern lenken. Es bleibt nur zu hoffen, dass die kommende Steuerreform unserer Top-Platzierung für die Abgaben in Europa etwas entgegensteuert – unsere Sozialversicherungen anzugreifen führt nämlich nicht zu einem garantierten Erfolg und birgt das Risiko unsere Gesundheit zu gefährden.

Quellen:
http://wko.at/statistik/eu/europa-abgabenquoten.pdf
https://www.sozialversicherung.at/portal27/portal/esvportal/content/contentWindow?
http://www.deutsche-sozialversicherung.de/de/rentenversicherung/finanzierung.html
http://www.zus.pl/files/deutsche.pdf
https://www.gov.uk/government/publications/rates-and-allowances-national-insurance-contributions/rates-and-allowances-national-insurance-contributions
http://www.cleiss.fr/docs/regimes/regime_france/al_a2.html
http://derstandard.at/1363709484794/Oesterreich-bleibt-bei-Steuerlast-ueber-EU-Schnitt